Digitales Lernen erfordert einen Paradigmenwechsel

von Wolfgang Laier

Alle sprechen im Kontext der Digitalisierung von digitalen Ökosystem um digitale Geschäftsprozesse oder die Customer Journey umzusetzen. Das gleiche gilt auch für das Lernen in einer digitalen Welt. Lernen benötigt ein Learning-Ecosystem, welches es ermöglicht eine lernzentrierte Learning Experience umzusetzen. Hierzu starten den Versuch in einer von Formalien und LMS geprägten Welt, den Blickwinkel auf das Lernen zu verändern und den Lernenden in den Mittelpunkt des Geschehens zu stellen.

Was ist ein Learning-Ecosystem?

Zunächst zur Definition was ein Learning-Ecosystem kennzeichnet:
„Ein Learning-Ecosystem besteht aus einem Netzwerk an Personen, Ressourcen und Technologien, welche innerhalb und außerhalb der Organisation einen Einfluss auf das Lernen haben.“

Eine andere Erklärung wäre die Folgende:
„Das Learning-Ecosystem besteht aus einem physikalische und virtuellen Raum, genauso wie aus einer Technologie und den notwendigen Bildungs-Support-Strukturen innerhalb einer Schule oder Organisation.“

Lernen in einer digital, vernetzen Welt

Im Lernen findet aktuell ein Paradigmenwandel statt. Die Gießkanne von einst, mit der man Wissen über die Lernenden schüttete, ist überholt. Die Digitalisierung verändert das Medien-Nutzungsverhalten drastisch und nachhaltig. Die sozialen Medien, Facebook, Google & Co haben ihren Teil dazu beigetragen, dass digitale Medien heute ganz anders genutzt und wahrgenommen werden. Daher braucht es auch neue Lernformen, welche die digitalen Faktoren und Kriterien berücksichtigen. Denn die Kriterien für die Akzeptanz von digitalen Inhalten gelten auch für das Lernen:

  • Selbstbestimmtheit – Der User entscheidet, was er gerade lernen möchte – wann, was und wo.
  • Userzentriert – der Lernende steht im Mittelpunkt. Trainer und Seminarleiter werden immer mehr zum digitalen Coach bzw. Instruktor oder Community Manager.
  • Community – auch Lernen findet zunehmend in einer Community statt, der Austausch unter Gleichen wird zentrales Element der Wissensvermittlung.

Als Beispiel sind folgende Kriterien genannt, die eine moderne Trainings- und Lern-Infrastruktur, das Learning-Ecosystem, unterstützen muss:

  • Reflexivität der Steuerung
  • Vernetzung und Rückkopplung
  • Dynamisierung der Lern-Infrastruktur
  • Plug & Play Architektur

Kompetenzvermittlung steht im Mittelpunkt

Wissen wird konstruiert, indem man sich intensiv mit den betreffenden Informationen auseinandersetzt, diese in einen bestimmten Zusammenhang bringt und in dem Gedächtnis abspeichert. Diese Veränderungen erfordern neue Ansätze des Lernens und zwar in der Lern-Infrastruktur genauso wie in der Lern-Psychologie.

Die Aneignung von Kompetenzen dagegen erfolgt indem man das Wissen praktisch anwendet und dabei eigenen Erfahrungen und Eindrücke sammelt, auf neue Informationen (nützliche Internetdienste, Artikel, Foren-Beiträge, Weblog-Einträge, etc.) stößt und diese leicht zugänglich und wiederauffindbar abspeichert.

In diesem Zusammenhang spricht man auch von einer „Ermöglichungsdidaktik“, welche auf den Prinzipien der Selbstbestimmung und Selbststeuerung basiert. Dies bedeutet, dass ein Lernprozess nicht von außerhalb durch einen Dozenten erzeugt werden kann, sondern, dass der der Dozent bzw. die Methodik durch geeigneten Rahmenbedingungen den inneren Lernprozess fördern muss.

Anforderungen an ein digitales Learning-Ecosystem

Was bedeuten die vorgenannten Ausführungen für ein digitales Learning-Ecosystem? Immer mehr Organisationen haben mittlerweile erkannt, dass der bisherige LMS-zentrierte Ansatz nicht immer zum Ziel führt, aber auch nicht ganz wegfallen kann bzw. der Übergang zu einem neuen Ansatz viele offene Fragen stellt. Am Ende dieser Erkenntnis steht jedoch die Frage, welche Anforderungen gibt es an ein modernes und zukunftsfähiges Learning-Ecosystem um den digitalen Wandel des Lernens erfolgreich zu gestalten?

Im Folgenden werden einige zentrale Eigenschaften genannt:

Training Delivery System

Ein Training Delivery System ist ein System welches Trainingsinhalte auf verschiedene Arten ausliefert:

  • Es kann Inhalte selbst hosten oder externe Inhalte einbinden
  • Der Lerner kann Inhalte finden oder das System sendet passende Inhalte an den Lernenden
  • Es kann ein großes und komplexes System wie ein LMS sein, oder etwas sehr einfaches, oder eine Kombination aus mehreren.
  • Es kann ein eigenständiges Produkt sein oder in einem anderen System wie einem Intranet oder einer Website enthalten sein.

In einem digitalen Learning-Ecosystem muss die Möglichkeit bestehen, das optimale System für den jeweiligen Zweck einzusetzen und diese muss es ermöglichen trotzdem auf eine gemeinsame Infrastruktur zuzugreifen.

Hosted Activity Providers

In der Vergangenheit wurden Lerninhalte als ZIP-Datei gepackt und in ein LMS geladen (vergleichbar mit einer CD in einer Hifi-Anlage). Dieser alte Weg wird in einer digitalen Struktur nicht mehr benötigt, da (fast) alles im Internet verfügbar ist und nur zugänglich gemacht werden muss. Somit ist der Nutzen eines LMS nur noch begrenzt gegeben.

Social Platform

Eine soziale Plattform ermöglicht es Lernenden ihr Wissen zu teilen und von anderen zu lernen. Viele LMS haben solche Funktionen, doch meist sind diese alleine gestellt bzw. gekapselt und die Nutzung solcher Funktionen im LMS ist nur sehr begrenzt. Zudem gibt es soziale Plattformen in Organisationen außerhalb der LMS-Welt die von den Lernenden verwendet werden. Um die Möglichkeiten des sozialen Lernens zu nutzen, benötigt man vielmehr eine Infrastruktur, welche die Aktivitäten des Lernenden aus allen Quellen erfassen und auswerten kann.

Informal Learning Record

Nur wenige LMS unterstützen einen Lernenden in den 90% der informellen Tätigkeiten die er jeden Tag außerhalb eines LMS verrichtet und auch hierbei implizit lernt. Ein Learning-Ecosystem muss auch diese Aktivitäten erfassen können und den Übergang von formalen hin zum informellen Lernen unterstützen bzw. dieses integrieren.

Credentialing Platform

Manche LMS belohnen den Lernenden indem er eine Lernleistung erbringt. Dies erfolgt durch Zertifikate oder digitale Badges. Wenn diese Funktionen wichtig für das eigene Lernen sind, dann stellt sich die Frage warum man diese nicht außerhalb eines LMS umsetzt und den Weg für die Zusammenführung von formellem und informellem Lernen öffnet.

Learning Record Store

Um die vorgenannten Anforderungen umzusetzen wird ein Learning Record Store benötigt, der neben einem Dashboard, Reporting auch umfassende Analysemöglichkeiten unterstützt. Alle Aktivitäten des Lernenden werden in einem LRS gespeichert und stehen somit für eine umfassende Analyse zur Verfügung.

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