Entwicklung digitaler Kompetenzen als zentrale Aufgabe des 21. Jahrhunderts

von Wolfgang Laier

Digitale Kompetenz bedeutet in der heutigen Welt nicht nur Zugriff auf und Nutzung von Informations- und Kommunikations-Technologien (IKT), sondern schließt auch die damit einhergehenden Kenntnisse, Fähigkeiten und Haltungen ein. Einer Studie über digitale Integration und Kompetenzen in der EU aus dem Jahre 2014 zufolge verfügen bis zu 47% der EU-BürgerInnen nur über unzureichende digitale Kompetenzen, einschließlich 23% die gar keine digitale Kompetenz haben.

Die hat große Auswirkungen auf Arbeit, Beschäftigungsfähigkeit, Ausbildung, Freizeit, Integration und gesellschaftliche Teilhabe. All diese und viele weitere Bereiche unserer Gesellschaft sind immer stärker „digitalisiert“, nicht zuletzt da Informationen und auch Dienstleistungen verstärkt über das Internet bereitgestellt werden. Aus diesem Grunde ist heute die digitale Kompetenz für die Teilhabe an der Gesellschaft und Wirtschaft von entscheidender Bedeutung. Als Querschnittskompetenz hilft uns digitale Kompetenz auch bei der Beherrschung anderer Schlüsselkompetenzen wie Kommunikation, Sprachkenntnisse oder Basiswissen in Mathematik und Naturwissenschaften.

Mit digitaler Kompetenz ist nicht nur das Wissen gemeint, wie man im Internet surft. Sie setzt sich vielmehr aus einer Reihe von Komponenten zusammen. Der Europäische Referenzrahmen für digitale Kompetenzen (European Digital Competence Framework for Citizens «DigComp») beschreibt dafür die folgenden fünf Kompetenzfelder, die in jeweils 8 Kompetenzstufen gegliedert sind:

  1. Umgang mit Informationen und Daten
  2. Kommunikation und Zusammenarbeit
  3. Erzeugen digitaler Inhalte
  4. Sicherheit
  5. Problem lösen

Der DigComp wird auch verwendet, um politische Entscheidungsträger, Unternehmen, Bildungsträger, Behörden und Bürger zu unterstützen. Der ebenfalls kürzlich eingeführte EU-weite Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft nutzt den DigComp-Referenzrahmen zur Entwicklung eines Indikators für länderspezifische Informationen zur Situation der BürgerInnen in Sachen digitaler Kompetenz. Der Rahmen wird auch verwendet, um Qualifizierungs- und Bildungsangebote zu entwickeln, beispielsweise als Grundlage für die Überarbeitung von Lehrplänen und die Erstellung von Kursen sowie Fortbildungsveranstaltungen. Er findet auch Anwendung auf die Festlegung des für bestimmte Branchen, beispielsweise die Pflege, notwendigen digitalen Kompetenzniveaus.

Mit Blick auf die digitale Kompetenz von Lehrern und Ausbildern ist zu sagen, dass Studien bereits des Öfteren auf einen Mangel an verfügbaren Fortbildungen hingewiesen haben, insbesondere, was den Einsatz von IKT im didaktischen Bereich betrifft. Auch die Möglichkeiten für Fachkräfte, ihre eigenen IKT-Anwenderkompetenzen zu verbessern, sind begrenzt. Deshalb kann es sich für sie auszahlen, Chancen im Bereich des informellen Lernens zu ergreifen. So bietet Enterra in Zusammenarbeit mit dem Forum DID für alle Interessierten den Zugriff auf ein Online-Bewertungstool, mit dem Sie die individuelle digitale Kompetenz schnell und einfach einschätzen können.

Über den DigComp

Der Referenzrahmen für digitale Kompetenzen wurde 2013 von der JRC-IPTS im Rahmen eines mehrjährigen wissenschaftlichen Projekts erarbeitet, das von der Generaldirektion Bildung und Kultur initiiert und von der Generaldirektion Beschäftigung, Soziales und Integration umgesetzt wurde. Im Laufe des Projekts wurden die Schlüsselaspekte digitaler Kompetenz mit Blick auf Wissen, Kompetenzen und Haltungen herausgearbeitet und Deskriptoren auf drei Leistungsniveaus entwickelt. Der Referenzrahmen wurde in den ET-2020-Arbeitsgruppen zu IKT und Bildung sowie Querschnittskompetenzen von den Vertretern der Mitgliedstaaten verabschiedet; einige Mitgliedstaaten testen den Referenzrahmen derzeit bereits.

Weitere Informationen zum DigComp finden Sie hier.

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